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Über die weltweite Bedeutung von Komposttoiletten
Auszüge eines Textes der Bündnisgrünen Politikerin Uschi
EID, MdB und ehemalige Parlamentarische Staatsekretärin im Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Uschi Eid ist kommissarische Vorsitzende
("acting chair") von UNSGAB, (United Nations Secretary General's Advisory
Board on Water and Sanitation)
Derzeit sterben auf der Erde mehr Menschen an wasserbedingten Krankheiten als in Kriegen.
Das ist eine menschliche Tragödie - und ein enormes Entwicklungshindernis in vielen
Ländern der Dritten Welt. Rund 5000 Kinder sterben täglich an den Folgen
schmutzigen Wassers. 2,6 Milliarden Menschen besitzen keinen Zugang zu sanitärer
Grundversorgung. Das sind mehr als doppelt so viele wie die 1,1 Milliarden, die ohne
sauberes Trinkwasser auskommen müssen. Es geht um eine Katastrophe, die sich fernab
der Medienöffentlichkeit abspielt. Mangels adäquater sanitärer Einrichtungen
und Entsorgung bleibt Abwasser vielfach in der unmittelbaren Wohnumgebung. Die weltweite
Sanitärkrise hat eine enorme Tragweite. Als "schmutziges" Pendant des
"sauberen" Versorgungsthemas genießt sie jedoch wenig Aufmerksamkeit.
Wer auf ihre Bedeutung aufmerksam macht, wird schnell bespöttelt, "mit Klos
die Welt retten" zu wollen. Dabei sind Ver- und Entsorgung untrennbar miteinander
verbunden. Ohne zuverlässige Abwasserbeseitigung gibt es keine zuverlässige
Trinkwasserversorgung. Wie Kevin Watkins, der Hauptautor des vom UNDP veröffentlichten
Human Development Reports erläutert, ist "kein Zugang zu sanitärer Grundversorgung"
lediglich eine vornehme Formulierung dafür, dass viele Menschen ihr Wasser für
den täglichen Bedarf aus Quellen beziehen, die mit Fäkalien von Menschen
und Tieren verunreinigt sind.
Es müssen zur Lösung der weltweiten Sanitärkrise vor allem jene Tabus
gebrochen werden, die der aktiven politischen Problembehandlung im Weg stehen. Dass
"Unreines" nicht öffentlich diskutiert wird, ist nämlich irrational,
lebensgefährlich und kostspielig. Ähnlich wie bis vor kurzem noch HIV/ Aids
ist sanitäre Grundversorgung etwas, über das Politiker sich nur ungern öffentlich
äußern. Für Wahlkampffotos ist die Einweihung eines Brunnens allemal
attraktiver als die Eröffnung einer Latrine.
Wertvolle Beiträge, damit sich das Bewusstsein wandelt, leistet beispielsweise
die Kampagne WASH (Wasser, Sanitärversorgung, Hygiene). Sie klärt unter anderem
über den gesundheitlichen Nutzen des Händewaschens nach dem Toilettengang
auf. Um für mehr öffentliche und politische Aufmerksamkeit zu sorgen, hat
die UN Generalversammlung auf eine UNSGAB-Initiative hin kürzlich 2008 zum "Internationalen
Jahr der sanitären Grundversorgung" ausgerufen.
Die Annahme, Sanitärversorgungssysteme seien für arme Länder unerschwinglich,
ist schlicht falsch. Kleine, finanzierbare Anlagen machen es möglich, Fäkalien
ökonomisch ohne Gesundheitsrisiken zu nutzen. In der konventionellen Schwemmkanalisation
hingegen spülen wir ein ökonomisches Potential die Toilette hinunter, das
sich weltweit auf rund 15 Milliarden Dollar beziffern lässt. Die Trennung von
Fäkalien erlaubt es zudem, zentrale, kosten- und energieaufwendige Kläranlagen
einzusparen, und sie vermeidet gesundheitliche Probleme, unter denen vor allem Slumbewohner
zu leiden haben, wenn mit Fäkalien verunreinigte Kloaken Brutstätte für
Krankheitserreger werden. Angesichts schrumpfender globaler Süßwasservorkommen
ist ein sparsamer Umgang mit Wasser ökologisch wichtig. Die Wiederverwertung geklärter
Abwässer in der Landwirtschaft ist obendrein ökonomisch interessant.
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